Beeindruckende Gedenkfeiern in Paris und Chartres - Bericht

Beeindruckende Gedenkfeiern anlässlich des 60. Todestages von Abbé Franz Stock am 24. Februar 2008 fanden in Paris und Chartres statt. Dazu waren aus Deutschland, vor allem aus Stocks Geburtsort Arnsberg, rund 150 Personen, darunter 70 Jugendliche, angereist.

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Schon einen Tag vor dem Todestag gab es bereits eine Feierstunde auf dem Mont Valérien im Pariser Vorort Suresnes, bei der Staatspräsident Sarkozy und Ministerpräsident Rüttgers aus Düsseldorf im Beisein französischer Minister und vieler Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an der Erschießungsstätte der 4.500 von den deutschen Besatzern von 1940 bis 1944 hingerichteten Mitgliedern der Résistance und Geiseln gedachten.

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Beide hoben in ihren Ansprachen das außerordentliche Wirken Franz Stocks als Gefängnisseelsorger und geistlicher Begleiter der zum Tode Verurteilten hervor. Nahezu 2.000 von ihnen habe Stock auf ihrem letzten Gang bis zu diesem Ort begleitet. In der Hölle der Vernichtungsmechanik sei sein Wirken von hoher Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freundschaft, Friedenssehnsucht, Vertrauensbildung und Versöhnung gekennzeichnet gewesen.

Sie richteten aber auch den Blick in die Zukunft, indem sie an alle Anwesenden, vor allem an die zahlreichen Jugendlichen appellierten, sich wie Franz Stock in ihrem Handeln gegen Barbarei, Unfreiheit und Unmenschlichkeit zu stemmen, damit Europa und die Welt in Frieden und Freiheit leben können.

Am Todestag selbst reiste Ministerpräsident Rüttgers mit seiner Delegation nach Chartres und legte zunächst ein großes Blumengebinde am Grabe Franz Stocks in der Kirche Saint Jean-Baptiste im Stadtteil Rechèvres nieder, wo er anschließend auch die Wandbilder mit Szenen aus dem Leben Franz Stocks betrachtete.

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Als ein besonderer Höhepunkt des Gedenkens an den 60. Todestag Stocks ist das Pontifikalamt in der vollbesetzten Kathedrale von Chartres anzusehen. Im Beisein von Ministerpräsident Rüttgers und vielen weiteren deutschen und französischen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zelebrierte der Chartrenser Bischof Pansard zusammen mit dem Apostolischen Nuntius in Frankreich Monseigneur Bardelli und dem Paderborner Erzbischof Becker einen feierlichen Gottesdienst. In seiner Predigt ging Bischof Pansard vom Tagesevangelium über die Begegnung Jesu mit der Frau aus Samaria aus und hob angesichts der Problematik der Feindschaft zwischen Juden und Samaritern und angesichts der damals herrschenden formalen Regeln im Alltag die Überwindung des Trennenden und des förmlichen Rahmens im Umgang mit unseren Mitmenschen durch die Begegnung mit Gott und seinem Gebot der Nächstenliebe hervor. Franz Stock sei, dem Beispiel Christi folgend, zu einem unermüdlichen Wegbereiter im Dienste von Begegnungen in Wahrheit, Versöhnung und Brüderlichkeit geworden.

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Nach dem Pontifikalamt gab es eine großes Begegnungsfest in der Halle des ehemaligen „Stacheldrahtseminars“ in der an Chartres angrenzenden Stadt Le Coudray. In der Halle, die zur Zeit zur „Europäischen Begegnungsstätte Franz Stock“ („Centre Européen de Rencontre Franz Stock“) umgestaltet wird, versammelten sich rund 300 Franzosen und Deutsche zu einem einfachen Mittagessen, das zur Erinnerung an die „magere“ Zeit des Bestehens des „Stacheldrahtseminars“ von 1945 bis 1947 aus einer (jetzt etwas nährstoffreicheren) Suppe bestand. Im Anschluss an das Mittagessen gab es ein Gesprächsforum zwischen Ministerpräsident Rüttgers, Erzbischof Becker und den Zeitzeugen Helga Walbaum und Dieter Lanz auf der einen Seite sowie 70 Schülerinnen und Schülern vom Franz-Stock-Gymnasium und vom St.-Ursula-Gymnasium aus Arnsberg-Neheim und 20 französischen Jugendlichen auf der anderen Seite. Leitthema war: Was hat Franz Stock bewirkt und was können wir in seinem Sinne tun?

Ministerpräsident Rüttgers stellte in seinem Statement die persönlichen Erfahrungen vor 40 Jahren während des Schüleraustausches in Frankreich dar. Erzbischof Becker umriss das vom damaligen Nuntius Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII., in Paris geprägte Wort, dass Franz Stock kein Name, sondern ein Programm sei, indem er das „Programm“ als Nächstenliebe und Brüderlichkeit definierte. Frau Walbaum berichtete darüber, wie ihre Familie aus politischen Gründen Deutschland 1938 verließ und in Paris Franz Stock begegnete, der ihren Vater später aus den Händen der Nazi-Schergen befreite und ihn so vor dem Tode rettete. Herr Lanz beschrieb als ehemaliger Seminarist das Leben im Stacheldrahtseminar“. Die Schülerinnen und Schüler gingen in ihren Beiträgen und Fragen besonders auf die Möglichkeiten ein, die zur Verbesserung der Kontakte zu Frankreich und zu Institutionen bestünden, um sich im Sinne Franz Stocks für Versöhnung und Friedensschaffung zu engagieren.

Zum Abschluss des Gedenkens fand gegen Abend in der Kirche Saint Jean-Baptiste eine eindringliche Feierstunde mit Gebeten und meditativen Texten sowie mit einer Lichterprozession zum Grabe Franz Stocks statt.

Dokumente
* Presseinformation zur Gedenkfeier am Mont Valerien mit allen Reden und verlesenen Texten
* Rede des Präsidenten der Französischen Republik Nicolas Sarkozy am 23.02.2008
* Grußwort von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers am 23.02.2008
* Predigt von Bischof Michel Pansard vom 24.02.2008 deutsche Fassung / französische Fassung

Fotos
* Fotogalerie (FSK) Veranstaltungen 23.+24.02.2008
* Fotogalerie Reisegruppe Komitee 22.-25.02.2008

Medienberichte
* Radio Vatikan 25.02.2008
* Himmel und Erde / Kath. Kirche im Privatfunk 24.02.2008
WDR-Mediathek:
* Aktuelle Stunde vom 23.02.2008 - (bitte Beitrag Rüttgers bei Sarkozy auswahlen)
* WDR 5-Morgenecho 25.02.2008

siehe auch:
* Information der Staatskanzlei NRW
* Vorbericht zur Gedenkfeier am Mont Valerien 23.02.2008
* Vorbericht zu den Veranstaltungen in Chartres am 24.02.2008
* Teilnehmerberichte
* Informationen zur Reisegruppe des Franz-Stock-Komitees
* Nachruf auf Franz Stock von Joseph Folliet (verlesen am 24.02. in Rechèvre)

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