Dieses Denkmal nähert sich der Person Franz Stocks auf eine ungewohnte und nachdrückliche Weise.

Von Papst Johannes XXIII. stammt der Satz „Franz Stock, das ist nicht nur ein Name – das ist ein Programm“. Dies besteht darin, dass Stock die Kernaussage christlichen Lebens, die Nächstenliebe, in vorbildlicher Weise gelebt hat. Während der Zeit der deutschen Besatzung in Paris, hat er in den Gefängnissen Frèsnes, La Santé und Cherche Midi, die französischen Insassen betreut. Über 2.000 von Ihnen begleitete er zur Hinrichtung. Einige Charakterisierungen seines Wirkens sind „Sämann der Liebe“ „Seelsorger/Engel der Hölle“. Er wurde zu einem der Wegbereiter der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich.

Die Begegnung mit dem Denkmal, das man von allen Seiten betrachten muss, besteht vom Material her aus bis zu 6 m hohen Teilen eines Gerüsts aus Kupferblech sowie zwei 5 m hohen Schieferplatten. Es vermittelt auf den ersten Blick Ratlosigkeit, Erschrecken, Fremdheit. Der Bildhauer Josef Rikus sah sich vor das Problem gestellt, nicht das Sichtbare des Wirkens Franz Stocks wiederzugeben, sondern eine geistige Welt sichtbar zu machen. Die „Hölle“ das sind die Gefängnisse in Paris, die Einsamkeit der Gefangenen, die Not der Angehörigen, die Verzweiflung der zum Tod Verurteilten, der Hass der Verfolger und Verfolgten. Das bringt der Künstler zum Ausdruck durch zwei hohe Schiefertafeln im Abstand von 1,5 m, die parallel zueinander aufgerichtet, einen schmalen Schacht ergeben, der nur ein kleines Stück Himmel freigibt. Das wird verstärkt durch die abweisende Kälte des harten, blauschwarzen Stein, der alles einengt und der umstellt ist von den schweren, senkrecht und waagerecht aufeinandergetürmten tragenden Elementen. Sie sind ein Gleichnis der Erniedrigung des Menschen, der wehrlos den Mächten der Finsternis ausgeliefert ist.

In eine dem Innenhof zugewandten Seite der Schieferplatten ist das Bild der Gefangenen eingeschnitten: „Köpfe und gekreuzte Arme, nicht Einzelschicksal, sondern ein Teppich von Not und Verzweiflung“ (Rikus), in dem der Einzelne untergeht.

Darüber beugt sich ein Engel, der ein mit Vollmacht ausgestatteter Bote ist. Er steigt herab, um Kraft zu spenden. In Ihm ist die Liebe Gottes anwesend. Selbst er ist umstellt von der schweren Vergitterung, die ihn behindert und einengt. Seine Arme schaffen einen bergenden Innenraum, und die Hände öffnen sich, um zu schenken und aufzunehmen. Sie sind leer, denn das Geheimnis der Kraft, die von dem Engel ausströmt, würde durch Gegenstände nur verstellt werden.

Das Denkmal ist so eine Einheit von Fläche und Raum, von Leere und Vergitterung. Linien und Körper schneiden stoßen sich ab, bereit zur Verwandlung, die in die Erlösung mündet.


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