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60. Jahrestag der Auflösung des Stacheldrahtseminars

piktocerfs.jpgAm 05. Juni 1947 wurde das "Stacheldrahtseminar" von Chartres aufgelöst. Das war vor jetzt 60 Jahren. In dem Gebäude wird die Europäische Begegnungsstätte Franz Stock entstehen. In Arnsberg-Neheim fand am 05. Juni 2007 eine Feier zum Gedenken an das Ende des Stacheldrahtseminars statt.


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v.l. Rosemarie Goldner, Gilles Thibault und Stephan Jung.

Vorberichterstattung
Aufgrund der seit Ende 2006 laufenden Bauarbeiten zur Errichtung des „Europäischen Begegnungszentrums Franz Stock“ in der ehemaligen Seminarhalle haben die Verantwortlichen vor Ort, der Vorstand vom Centre Européen de Rencontre Franz Stock (C.E.R.F.S.) und die Mitglieder der Association Chartraine Franz Stock, es aus sehr verständlichen Gründen nicht für möglich angesehen, auf und in der Baustelle eine angemessene Feier zum Gedenken an die Lagerauflösung durchzuführen.

Deshalb hat in Absprache mit unseren französischen Freunden unser Komitee die Aufgabe übernommen, hier in Neheim eine würdige Feier zum Gedenken an das Ende des Stacheldrahtseminars zu veranstalten.

Programm:

11.00 Uhr

Empfang im Fresekenhof, Stadtteil Neheim (Stadtplan)

Begrüßung durch den Vorsitzenden des Komitees, Herrn Pfarrer Jung

Grußworte des Stellvertretenden Landrats des Hochsauerlandkreises, Herrn Erhard Schäfer und der Stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Arnsberg, Frau Rosemarie Goldner

Grußwort des französischen Generalkonsuls, Monsieur Gilles Thibault, Düsseldorf

11.30 Uhr

Führung durch die Ausstellung „Frieden als Auftrag“

13.00 Uhr Gemeinsames Mittagessen im Pfarrheim St. Johannes, Neheim, Goethestraße
14.00 Uhr Film: „Lagerleben 1945 – 1947“
14.30 Uhr „Chartrenser“ blicken zurück

15.30 Uhr

Besichtigung der Fotoausstellung „Begegnungen mit Frankreich“
in den Räumen der Sparkasse Arnsberg-Sundern, Neheim, Hauptstraße 10-12

16.30 Uhr

Friedensvesper
in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Neheim, Hauptstraße (Stadtplan)

Das Stacheldrahtseminar

Das „Stacheldrahtseminar“ wurde auf Initiative der französischen Regierung und mit Unterstützung des Apostolischen Nuntius Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII., gegründet. Abbé Stock, selbst Kriegsgefangener, wurde gebeten, dieses Seminar als Regens zu leiten, wozu er sich nach reiflicher Überlegung bereiterklärte.
Refektorium des Stacheldrahtseminars
(Refektorium des Stacheldrahtseminars)
Für das Seminar war zunächst das Kriegsgefangenenlager Dèpôt 51 in Orléans vorgesehen, wo es am 24. April 1945 gegründet und von dort am 17. August 1945 ins Gefangenenlager Dépôt 501 bei Chartres verlegt wurde. Unter Beibehaltung von Status und Funktionsweise eines Kriegsgefangenenlagers wurden dort alle in französischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Priester und Seminaristen aus Deutschland und Österreich zusammengelegt. So konnten sie ihre Studien fortsetzen oder auch beginnen. Für die jüngsten Kriegsgefangenen gab es einen Abiturkurs. Die Universität Freiburg im Breisgau übernahm die Patenschaft über dieses Seminar. Über zwei Jahre bestand das in der Geschichte der Kirche einzigartige und bis heute größte Seminar, ein „Seminar hinter Stacheldraht“ („Séminaire des barbelés“ ). Insgesamt 949 Dozenten, Priester, Brüder und Seminaristen aus Deutschland und Österreich waren im Verlauf der zwei Jahre dort. Ziel war es, diesen jungen Menschen, die berufen waren, praktische und moralische Verantwortung zu übernehmen im Hinblick auf den moralischen Wiederaufbau Deutschlands, eine spirituelle Ausbildung zu geben, um der Indoktrinierung entgegenzuwirken, der sie in der Nazizeit ausgesetzt gewesen waren.

Nuntius Roncalli besuchte wiederholt das Seminar. Am Sonntag nach Weihnachten 1946 erschien er, um die Segenswünsche des Papstes zu überbringen. Er betonte bei diesem Besuch: „Das Seminar von Chartres gereicht sowohl Frankreich wie Deutschland zum Ruhme. Es ist sehr wohl geeignet, zum Zeichen der Verständigung und Versöhnung zu werden.“

Regens Stock richtete am 26.04.1947 an die Seminaristen des Kriegsgefangenenseminars (zum 2. Jahrestag der Seminargründung) eine Botschaft, die der Prediger Abbé Jean Pihan eine prophetische nannte: "… Eine Zahl von der Vorsehung gewollter Heiliger wird genügen, unsere Epoche zu retten. Es ist die Vorsehung, die uns diesen Aufruf zur Heiligkeit entgegenschleudert durch die Stimme der Geschichte, und wir müssen auf ihn hören, um der Welt die Botschaft von Freiheit und Frieden, Heil und Liebe zu bringen …"

Am 5. Juni 1947 wurde das Seminar aufgelöst. Die letzten 369 Seminaristen verließen das Gefangenenlager. Franz Stock kehrte nach Paris zurück.

Europäische Begegnungsstätte Franz Stock

Die Schaffung einer Europäischen Begegnungsstätte Franz Stock im ehemaligen „Stacheldrahtseminar“ von Chartres, ist ein zentrales Anliegen der Freunde von Abbé Stock in Deutschland und Frankreich. Es handelt sich hier um einen der seltenen Orte, der die deutsch-französische Versöhnung verkörpert.

piktocerfs.jpgErste Baumaßnahmen konnten Ende 2006 in der seit einigen Jahren leerstehenden Seminarhalle auf dem ehemaligen Militärgelände begonnen werden. In einem ersten Abschnitt wurden Sanitär- und Büroräume (einschließlich Versorgungsanschlüsse) errichtet. Gerade die fehlenden Sanitäranlagen waren ein großes Problem, da auch die eigentlich noch leere Halle von vielen Gruppen seit Jahren besucht wird.

Ziel ist es, die denkmalgeschützte Halle mit den von Franz Stock erstellten Fresken zu restaurieren und eine europäische Begegnungsstätte im Sinne des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages zu errichten. Das Gebäude wird dabei seine essentielle Struktur behalten. Die Begegnungsstätte wird dazu beitragen, dass sich Europa weiter zu einer der attraktivsten Wertegemeinschaften entwickeln kann.

Die Gesamtkosten des Projektes werden rund 1,1 Millionen Euro betragen. Inzwischen sind über 200.000 Euro an Geldern bzw. Zusagen eingegangen. Die Umsetzung des Projektes erfolgt in Bauphasen, wobei der Fortgang von den Spenden und Sponsorenaktivitäten abhängen wird. Die Franz-Stock-Vereinigungen sind auf vielfältige große und kleine Unterstützungen angewiesen.

Spenden für die Europäische Begegnungsstätte Franz Stock in Chartres können auf das Konto des

Franz-Stock-Komitee für Deutschland
Konto 19 010 008, BLZ 466 500 05
Sparkasse Arnsberg-Sundern

überwiesen werden. Bitte auf der Überweisung als Stichwort „Chartres“ und eine Adresse angeben, an die eine Spendenbescheinigung gesandt werden soll.

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Presseberichte
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Westf. Rundschau, Neheim-Hüsten, 06.06.2007

1947: Das Ende, das ein Anfang war

wrfoto.jpgGespräch am Rande der Gedenkfeier (von links): Erhard Schäfer, Gilles Thibault, Rosemarie Goldner und Stephan Jung. (WR-Bild: Welke)

Neheim. Im Beisein des französischen Generalkonsuls Gilles Thibault hat das Franz-Stock-Komitee gestern in einer Feierstunde im Fresekenhof der Auflösung des sogenannten "Stacheldrahtseminars" in Chartres - auf den Tag genau vor 60 Jahren - gedacht.

Es sei ein außergewöhnlicher Gedenktag, stellte Stephan Jung, Pfarrer der Neheimer St.-Johannes-Gemeinde und Vorsitzender des Franz-Stock-Komitees, fest. Allein schon das Priesterseminar in einem Kriegsgefangenenlager sei etwas Besonderes gewesen. Die französische Regierung habe dieses von Franz Stock geleitete Seminar bewusst eingerichtet, um Menschen für eine geistig-moralische Erneuerung Deutschlands heranzubilden.

Ganz besonders begrüßte Jung den Generalkonsul, der mit Praktikantin und Chauffeur aus Düsseldorf angereist war. "Ich freue mich, dass Sie diesem Tag durch Ihre Anwesenheit sozusagen die Ehre geben." Thibault zitierte in seinem Grußwort den berühmten Ausspruch des damaligen Nuntius Roncalli und späteren Papstes Johannes XXIII. "Franz Stock - das ist kein Name, das ist ein Programm."

Sie sei Franz Stock zwar niemals begegnet, berichtete die stellvertretende Bürgermeisterin Rosemarie Goldner, aber mit seiner Persönlichkeit groß geworden. Als Kind habe sie nämlich oft in der Straße, in der sein Elternhaus steht und die heute seinen Namen trägt, gespielt. "Und wenn wir dann mal etwas lauter waren, dann hat man uns gesagt: Hier müsst ihr leiser sein, weil hier Franz Stock gewohnt hat." Bei ihm handele es sich zweifellos um eine der großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, stellte der stellvertretende Landrat Erhard Schäfer fest.

Unter den Gästen der Feier befanden sich auch einige der "Chartrenser" genannten Teilnehmer jenes "Stacheldrahtseminars", wie Pfarrer Berthold Richard aus Heiligenstadt. "Ich könnte ins Schwelgen geraten, wenn ich an jene Zeit zurückdenke", bekannte er. Er habe in Franz Stock immer einen stillen und wohlwollenden Zuhörer gefunden. Er sei auch der französischen Regierung dankbar dafür, durch dieses Seminar seine priesterliche Berufung gefunden zu haben. Ein anderer ehemaliger Seminarist bedankte sich beim Generalkonsul ausdrücklich dafür, seinerzeit auf Kosten des französischen Staates vier Semester Theologie, die ihm später sogar anerkannt wurden, studiert zu haben.

An sich sollte die Feier in Chartres in den Gebäuden des einstigen Seminars stattfinden. Doch diese werden seit Ende letzten Jahres zu einer europäischen Begegnungsstätte umgebaut, so dass als Veranstaltungsort schließlich Neheim als Geburtsort Franz Stocks ausgewählt wurde.


05.06.2007 Von Helmutheinz Welke
Ein Priesterseminar hinter Stacheldraht

GESCHICHTLICHES
# Franz Stock wird am 21. September 1904 in Neheim geboren.
# Nach dem Abitur studiert er ab 1926 in Paderborn katholische Theologie, ab 1928 auch für drei Semester in Paris.
# Im Jahre 1932 wird er zum Priester geweiht und 1934 Rektor der deutschen Gemeinde in Paris.
# Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrt er nach Deutschland zurück, wird aber nach der Besetzung Frankreichs erneut Seelsorger in Paris.
# Nach der Befreiung Frankreichs wird er Kriegsgefangener und übernimmt wenig später die Leitung eines Seminars für kriegsgefangene katholische Theologen.
# Am 5. Juni 1947 wird das Seminar in Chartres aufgelöst.
# Am 24. Februar 1948 stirbt Franz Stock in Paris.

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