US Soldatenfriedhof in der Normandie Quelle: WikipediaIm Juni 2014 jährt sich zum 70. mal der Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie (D-Day, 6. Juni 1944). Aus diesem Anlass finden in Frankreich unzählige Veranstaltungen statt, die von einer breiten Öffentlichkeit in den Alliierten-Ländern sehr beachtet werden. Auch Franz Stock wird hier in unterschiedlicher Weise thematisiert:

Fast im ganzen Jahr 2014 wird zwischen den Pfeilern des Mittelschiffes der Kathedrale von Bayeux ein großes Banner hängen mit dem Bild von Franz Stock und seinem Zitat: „In den Augen Gottes gibt es weder Engländer, noch Franzosen, noch Deutsche, es gibt nur Christen oder ganz einfach Menschen."


Friedensglocke in Bayeux

Anlässlich des Jahrestages erhielt die Kathedrale Notre-Dame von Bayeux am 06. Juni 2014 eine neue Friedensglocke mit dem Namen "Therese-Benedicte".  Die Glocke hat 9 Paten: neben Königin Elisabeth II. acht Jugendliche aus verschiedenen am 2. Weltkrieg beteiligten Ländern. Der Glockenpate aus Deutschland, Lukas Berting stammt aus Arnsberg und wurde vom Franz-Stock-Komitee vorgeschlagen. An dem ökumenischen Gottesdienst nahmen zahlreiche hochrangige Politiker teil, mit Thronfolger Prinz Charles an der Spitze. Die große Friedensglocke trägt den Namen "Thérèse-Bénédicte", der Ordensname der Hl. Edith Stein. Eine kleinere weitere neue Glocke erhält den Namen "Rose-Françoise". "Rose" steht für Rosa Stein, der Schwester von Edith Stein, Françoise steht für Franz Stock.

Ausführliche Informationen zur Glockenweihe >>>

 

Franz-Stock-Ausstellung

Eine Ausstellung über das Leben und Wirken von Franz Stock wird vom 27. Juni bis Mitte September in der Kathedrale (in einem Seitenschiff) gezeigt. Kernstück dieser Ausstellung sind Bildtafeln, die das Sauerland-Museum in Arnsberg aus der Ausstellung „Franz Stock und der Weg nach Europa" zur Verfügung gestellt hat. Aus Platzgründen werden daraus nur 20 Bildtafeln, die das Leben und Wirken von Franz Stock betreffen, gezeigt. Außerdem werden zwei Vitrinen mit Exponaten die Ausstellung komplettieren. Die Ausstellung wird am 27. Juni 2014 (18:30 h) mit einer Konferenz unter der Schirmherrschaft des Bischofs von Bayeux, Mgr. Boulanger, eröffnet.

P1010982.jpg P1010984.jpg P1010986.jpg

P1010993.jpg

Fotos: Rainer Hohmann

Konzertreise des Paderborner Domchores

Anlässlich des 70. Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie wird auch der Paderborner Domchor zu einer Konzertreise nach Bayeux aufbrechen. Der Grund der Einladung ist das Friedenswirken von Franz Stock. Im Rahmen des Festivals "Geistliche Stimmen; Wege der Freiheit" ist ein Chorkonzert am 19. Juni 2014 geplant. Zusätzlich wird ein Konzert in der Europäischen Begegnungsstätte Franz Stock in Chartres angeboten.

Ausführliche Informationen zur Konzertreise >>>

 

Friedenswallfahrt aus der Normandie in das Sauerland

Das 'Maison de la Paix' (Friedenhaus) in Sainte Mère Eglise (Normandie) besuchte im Rahmen einer Friedenswallfahrt mit 42 Teilnehmern das Sauerland. Die französische Gruppe kam im Mai zu uns in die Franz-Stock-Dauerausstellung und in das Elternhaus Stock, um die Heimat, die Wurzeln von Franz Stock kennenzulernen.

 

Stimmen und Berichte:

Radio Vatikan, 05.06.2014
Papstbotschaft zum D-Day: Respekt vor der Menschenwürde
Auch Papst Franziskus beteiligt sich am Gedenken an die Landung der Alliierten in der Normandie vor siebzig Jahren. Die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano" veröffentlichte eine Papstbotschaft zum sogenannten „D-Day", die von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnet ist. Franziskus verspricht dem Pariser Kardinal André Vingt-Trois, dem Bischof von Bayeux-Lisieux und anderen Kirchenvertretern, die an den offiziellen Gedenkfeiern in der Normandie teilnehmen, sein Gebet für den Frieden. Er würdigt die Soldaten, die 1944 in der Normandie landeten, um gegen die Nationalsozialisten zu kämpfen und das besetzte Frankreich zu befreien. Er erwähnt aber auch die deutschen Wehrmachtssoldaten, die in das Drama hineingezogen worden seien. Es sei richtig, dass die heutige Generation denen, die damals an der Invasion der Normandie beteiligt waren, ihre Anerkennung für die geleisteten Opfer ausspreche. Durch Weitergabe des Erinnerten und Erziehung der Jüngeren zum Respekt vor der Menschenwürde sei es möglich, auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Nach Ansicht des Papstes können Gedenkveranstaltungen wie die in der Normandie daran erinnern, dass der Ausschluss Gottes aus dem Leben der Menschen und der Gesellschaft zu Tod und Leiden führe. Die Nationen Europas fänden im Evangelium Christi, des Friedensfürsten, die Wurzel ihrer Geschichte und eine Inspirationsquelle, um zu immer brüderlichen und solidarischeren Beziehungen untereinander zu finden. (rv 05.06.2014 sk)

Katholisch.de, Standpunkt 06.06.2014 von Felix Neumann

„Weder Franzosen noch Deutsche"
Heute vor 70 Jahren landeten die allierten Truppen in der Normandie: Ein entscheidender Schritt zur Befreiung Europas und Deutschlands. Am 6. Juni 1944 ist der deutsche Priester Franz Stock fast auf den Tag genau seit drei Jahren Standortpfarrer in Paris. Er betreut die französischen Kriegsgefangenen. In seinem Tagebuch notiert er die Hinrichtungen der Widerstandskämpfer, die er als Seelsorger begleitet. Über 2000 davon musste er ansehen, sagt er kurz vor seinem Tod.

Stock, ein Deutscher, hat sich nicht gemein gemacht mit den Verbrechern, er war ganz für die zum Tode verurteilten Kämpfer der Résistance da. Gefangene besuchen, Tote bestatten: Werke der Barmherzigkeit inmitten des zynischen Unrechts, in dem die Erschießungen unter dem Codenamen "Sportfest" angekündigt wurden. Einer der Insassen war der Jesuitenpater Michael Riquet. Er sprach die Grabrede Stocks, der 1948 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft starb: "Er war mit brüderlicher Liebe bei den Verurteilten bis zum Hinrichtungspfahl. Das ist die Paradoxie, dass ein deutscher Priester sich mitten im Kriege zum Dienst und Freund derer machte, die seine Regierung als die ärgsten Feinde betrachtete."

Während Stock Gefängnispfarrer ist, schreibt der Philosoph Theodor W. Adorno im amerikanischen Exil die "Minima Moralia". "Reflexionen aus dem beschädigten Leben" ist der Untertitel, und einer der berühmtesten Aphorismen daraus ist das vielzitierte "Es gibt kein richtiges Leben im falschen."

Franz Stock zeigte mit seinem Leben, und die Zeugnisse der Menschen die ihn kannten, beglaubigen es, dass es ein richtiges Leben gibt im falschen: Ein Leben mit der Liebe Christi.

Heute, am 70. Jahrestag der Landung in der Normandie, sollten wir an Franz Stock denken, der die Liebe Christi zu seiner machte und sich mit all seiner Kraft für die Völkerverständigung einsetzte. Mit Franz Stock sollten wir Christen uns gegen den Nationalismus und die Fremdenfeindlichkeit wenden, die in Europa wieder erstarken: Gegen die Ablehnung von Roma, von Flüchtlingen, die übers Mittelmeer kommen, von Muslimen und Juden. In der Kathedrale von Bayeux, keine zehn Kilometer vom Strand entfernt, an dem die Allierten landeten, hängt das ganze Jahr über ein Zitat von Stock: "In den Augen Gottes gibt es weder Engländer, noch Franzosen, noch Deutsche, es gibt nur Christen oder ganz einfach Menschen." Das ist Franz Stocks Vermächtnis für ein Europa, das sich christliche Werte auf die Fahnen schreiben will.