Veranstaltungen 2006
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Karl Föster
erhält das Bundesverdienstkreuz


Wir freuen uns, dass unserem aktiven Mitglied Karl Föster mit 91 Jahren jetzt das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Auch an dieser Stelle unseren herzlichen Glückwünsche!

Presseartikel

Westfalenpost, Arnsberg, 07.11.2006

Karl Föster - mutiges Leben für Ausgleich, Frieden und Versöhnung

Auszeichnung für unermüdlichen Einsatz für Aussöhnung und Frieden: Landrat Dr. Karl Schneider (r.) überreichte Karl Föster gestern das Bundesverdienstkreuz. Foto: Ted Jones

Karl Föster wurde gestern Nachmittag im Rittersaal für jahrzehntelanges Engagement für ein friedliches Miteinander mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Föster hat sich besonders für die Aussöhnung mit den Menschen jüdischen Glaubens eingesetzt.

Bereits als Jugendlicher war der heute 91-Jährige in der kath. deutschen Jugendbewegung aktiv, in der er seit den 1920er Jahren Jugendgruppen leitete. Als während der NS-Herrschaft die Bewegung verboten wurde, hielt er trotz großer Gefahr gleichwohl Kontakt zu Gleichgesinnten.

Nach dem 2. Weltkrieg baute er im Erzbistum Paderborn mit unermüdlichem Einsatz die "Schar" mit auf, die dann Mitgliedsverband des Bundes der deutschen kath. Jugend wurde und deren Mitgliederzahl im Erzbistum rasch auf über 20 000 anwuchs. 2000 wurde er zum Ehrenmitglied von Pax Christi ernannt, dessen Mitglied er 1948 geworden war. Seit dieser Zeit wirkt er aktiv an der Pax-Christi-Arbeit mit. Er beteiligte sich 1954 an "Versöhnungsfahrten" nach England und Belgien sowie in die Niederlande. Zudem engagiert sich Föster im "Franz-Stock-Komitee".

Zur deutsch-polnischen Verständigung arbeitet Karl Föster im "Josef-Wittig-Kreis" mit, der die Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner fördert.

Viele Kontakte Besonders hervorzuheben sein Einsatz für die jüdische Geschichte, speziell in Arnsberg. 1973 betreute er beim Arnsberger NS-Prozess - es ging um die Ermordung von 5 000 galizischen Juden - im Auftrag von Pax Christi und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit rund 40 jüdische Zeugen aus aller Welt. Viele der von ihm geknüpften Beziehungen bestehen bis heute. Israelische Zeugen luden ihn sogar mehrmals nach Israel ein. 1975 besuchte Föster Jasna (heute Slowakei), wo die Massentötung stattgefunden hatte. Noch immer betreut er eine 93-jährige Jüdin, die in einem Arnsberger Altenheim lebt.

So ist es Karl Föster bis heute ein wichtiges Anliegen, die Erinnerung an den kath. Widerstand gegen den Nationalsozialismus wach zu halten und vor allem junge Leute dafür zu sensibilisieren, rechtsradikale und rassistische Ansätze zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. U.a. gab er 2003 mit einem Mitautor beim Berufsbildungswerk Josefsheim Bigge das Buch "Katholische Jugend in den Händen der Gestapo - Widerstand im westfälischen Raum gegen das totalitäre NS-System" heraus.

1988 war er maßgeblich an der Gestaltung der "Arnsberger Geschichtswerkstatt" beteiligt, in der sich Bürger mit der Aufarbeitung der regionalen NS-Vergangenheit befassen. Er war auch Mitautor der Dokumentationen "Juden in Arnsberg" (1992). Am 8. November jeden Jahres verliest Föster die Namen der verstorbenen jüdischen Bewohner Arnsbergs auf dem jüdischen Friedhof.


Westfälische Rundschau, Arnsberg, 07.11.2006

Ein Kämpfer wider das Vergessen

Karl Föster wurde gestern Nachmittag von Landrat Dr. Karl Schneider das Bundesverdienstkreuz am Bande im Auftrag des Bundespräsidenten überreicht. (WR-Bild: Detlef Schlüchtermann)

(des) Das Bundesverdienstkreuz am Bande wurde gestern Nachmittag Karl Föster verliehen. Kein anderer Arnsberger hat sich in den letzten Jahrzehnten so vehement um die Versöhnung mit Israel und um den Kampf gegen das Vergessen der nationalsozialistischen Greueltaten engagiert wie der noch rüstige 91-Jährige, der aus der katholischen Friedens- und Widerstandsbewegung stammt.

Bevor Landrat Dr. Karl Schneider die Ordensinsignien im Rittersaal des Alten Rathauses überreichte, sprachen eine Reihe von Wegbegleitern Fösters über die Verdienste des Geehrten. So auch ranghohe Vertreter von Pax Christi Deutschland, außerdem Paul Schlinkert als Inhaftierter im Gestapo-Gefängnis "Steinwache" in Dortmund, Pfarrer im Ruhestand Franz Schnütgen vom Franz-Stock-Komitee und Willi Kleine-Büning von der Geschichtswerkstatt in Arnsberg und dem BDKJ. Auch Bürgermeister Hans-Josef Vogel erinnerte an den vorbildhaften Werdegang des Geehrten.

Landrat Schneider ging in seiner Laudatio im Rahmen der Feierstunde auf das große Engagement Fösters in vielen Lebensbereichen ein. In der Begründung für die Auszeichnung heißt es:

Bereits als Junge engagierte sich Karl Föster in der katholischen deutschen Jugendbewegung. Seit den 1920er Jahren leitete er dort Jugendgruppen. Als während der NS-Herrschaft die Bewegung verboten wurde, hielt er gleichwohl Kontakt zu Gleichgesinnten. Nach dem 2. Weltkrieg baute er im Erzbistum Paderborn die "Schar" mit auf, die dann Mitgliedsverband des Bundes der deutschen katholischen Jugend wurde und deren Mitgliederzahl im Erzbistum Paderborn rasch auf über 20 000 anwuchs. Im Jahr 2000 wurde Föster zum Pax Christi-Ehrenmitglied ernannt.

1948 wurde Karl Föster Mitglied der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. Seitdem wirkt er aktiv an der Pax-Christi-Arbeit mit. Er beteiligte sich 1954 an "Versöhnungsfahrten" nach England und Belgien sowie in die Niederlande. Er engagiert sich als Mitglied des "Franz-Stock-Komitees", das 1964 im Gedenken an den Gefangenenpriester Franz Stock gegründet wurde und durch Jugend- sowie kulturellen Austausch und Vermittlung von Kontakten die deutsch-französische Freundschaft pflegt.

Zur deutsch-polnischen Verständigung arbeitet Karl Föster im "Josef-Wittig-Kreis" mit, der in der Tradition des 1946 aus Glaz/Schlesien vertriebenen Theologen und Schriftstellers Josef Wittig die Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner fördert. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz von Karl Föster für die jüdische Geschichte, speziell in Arnsberg. 1973 betreute er beim Arnsberger NS-Prozess (Ermordung von 5000 galizischen Juden) im Auftrag von Pax Christi und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit rund 40 jüdische Zeugen aus aller Welt.

Viele der von ihm geknüpften persönlichen Beziehungen bestehen bis heute. Israelische Zeugen luden ihn mehrmals nach Israel ein.

1975 besuchte er Jasna (heutige Slowakei), wo im 2. Weltkrieg die Massentötung stattgefunden hatte. Noch heute betreut er eine 99-jährige Jüdin, die im Altersheim zum Guten Hirten in Arnsberg lebt.

Es ist Karl Föster bis heute ein wichtiges Anliegen, die Erinnerung an den katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus wach zu halten und vor allem junge Leute dafür zu sensibilisieren, rechtsradikale und rassistische Ansätze zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. Zu diesem Themenbereich hat er viele Artikel veröffentlicht.

Im Jahre 2003 gab er mit einem Mitautor beim Berufsbildungswerk Josefsheim Bigge ein Buch mit dem Titel "Katholische Jugend in den Händen der Gestapo - Widerstand im westfälischen Raum gegen das totalitäre NS-System" heraus.

Im Jahr 2005 fand auf Initiative von Karl Föster eine ganztägige Tagung statt, bei der in Referaten und ausführlichen Gesprächen mit den über 50 Teilnehmern der Nationalsozialismus im westfälischen Raum und der Widerstand thematisiert wurden.

1988 war er maßgeblich an der Gestaltung der "Arnsberger Geschichtswerkstatt" beteiligt, in der sich Bürger von Arnsberg mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit der Region befassten.

Als Mitautor gab er 1992 die Dokumentation "Juden in Arnsberg" heraus. Am 8. November jeden Jahres verliest Föster die Namen der verstorbenen jüdischen Bewohner Arnsbergs auf dem jüdischen Friedhof in Arnsberg.